Die Geschichte der KAV Suevia
Anfänge
Am 7. November 1875 - in der heißen Phase des Kulturkampfes - schlossen sich acht Cartellbrüder, die beruflich und studienbedingt in Berlin weilten, zur "Freien Vereinigung katholischer Verbindungsstudenten" zusammen, die noch im selben Jahr den Namen Suevia annahm. Die Federführung hatte der Rechtsreferendar Bernhard Nadbyl aus Breslau. Schon ein Jahr später bekam Suevia die offizielle Zulassung durch den CV. Als Leitspruch wählte man: „Per tenebras ad lucem – durch die Finsternis zum Licht“.
Schnell hatte sich herumgesprochen, dass „die mit den Schwarzen Mützen“ „ultramontane“ seien. Obwohl der Kulturkampf noch immer in vollem Gange war, wurde die AV Suevia, anders als die Katholischen Verbindungen in fast allen anderen Städten, von den bestehenden Verbindungen respektiert.
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Zahl der Neurezeptionen kontinuierlich nach oben. Suevia wurde zu einem zentralen Treffpunkt für katholische Akademiker und Studenten, die aus allen Teilen des Reichs in der Hauptstadt weilten. Geselligkeit und die Besinnung auf religiöse Werte wurden groß geschrieben. Bis heute können katholische Akademiker und Studenten bei Suevia ihren Glauben leben.
1898 genehmigte der Akademische Senat die Umbenennung in KAV Suevia - dies war während des Kulturkampfes unmöglich. Gleichzeitig wurde darauf gedrängt, dass Angehörige der TH Charlottenburg aus der KAV Suevia zu entlassen seien, weil nach den damaligen Vorschriften eine Verbindung nur aus Angehörigen einer Hochschule bestehen durften. Aus diesem Grund wurde im Jahr 1899 die KDStV Borusso-Saxonia als Tochterverbindung an der TH Charlottenburg gegründet.
Nachdem der CV das Singularitätsprinzip, wonach jeweils nur eine Cartellverbindung an jeder Hochschule bestehen durfte, aufgehoben hatte, war 1900 der Weg frei zur angesichts des enormen Mitgliederzuwachses längst überfälligen Gründung der zweiten Tochterverbindung, der AV Hansea, die nach dem zweiten Weltkrieg in Köln wiederbegründet wurde.
Wechselvolle Geschichte
Nach dem ersten Weltkrieg (1914-1918), in dem zahlreiche Schwaben ihr Leben lassen mussten, entwickelte sich Suevia immer mehr zu einer festen katholischen Institution in der preußisch-protestantisch geprägten Hauptstadt. Auch prominente Politiker zählten zu ihren Mitgliedern, wie etwa die ehemaligen Reichskanzler Konstantin Fehrenbach und Wilhelm Cuno. Sogar in Rom hatte sich der gute Ruf der Verbindung herumgesprochen. Zum 50. Stiftungsfest am 10. Januar 1926 erschien der Päpstliche Nuntius Pacelli, der spätere Papst Pius XII.
Im Dritten Reich geriet die Verbindung, wie alle Vereine und Korporationen, ins Visier der NS-Machthaber. Am 7. November 1936, genau 61 Jahre nach ihrer Gründung, stellte Suevia auf Druck der Behörden den Verbindungsbetrieb ein. Ein Überwechseln in den Nationalsozialistischen Studentenbund (NSDStB) wurde abgelehnt. Trotz Verbots trafen sich Schwaben auch in den darauffolgenden Jahren, zumeist inkognito und in privaten Zirkeln. Gemeinsamer Jahrestreffpunkt war stets der Gründungstag, der 7. November.
Neubeginn nach 1945
Der Neuanfang begann mit der Gründung des Altherrenvereins Suevia mit Genehmigung der amerikanischen Besatzungsbehörden. Die Behörden genehmigten im Juni 1948 die Umbenennung in KAV Suevia und eine Satzungsänderung, die auch die Aufnahme von Studenten vorsah. Damit war Suevia die erste Aktive Studentenverbindung Berlins nach dem Krieg. Der Aktivenbetrieb wurde zunächst zusammen mit der Altherrenschaft Borusso-Saxoniae als Saxo-Suevia wieder aufgenommen. (Farben: rot gelb schwarz), 1949 erfolgte dann die freudschaftliche Trennung der beiden Bünde.
In den fünfziger und sechziger Jahren geriet die Verbindung zum Teil in den Sog gesellschaftlicher Umbrüche, die ihren Ausdruck vor allem an den Hochschulen fanden. Zu schaffen machte den Schwaben ein bis heute gültiger Beschluss der FU Berlin von 1951, dem zu Folge korporierte Studenten auf dem Campus der Universität weder in Vollcouleur auftreten noch Veranstaltungen in deren Räumen abhalten dürfen. Der Erwerb des ersten Eigenheims im Jahre 1957 ließ diesen Beschluss jedoch wirkungslos erscheinen. Das Gefühl in einem „eigenen Haus“ zu wohnen, macht Suevia von jeher für katholische Studenten attraktiv, die dort einen Ort der Ruhe und Besinnung abseits der Massenuniversität finden.
Im Visier der Stasi Im Jahre 1966 zog Suevia in die Drakestraße 17 im Berliner Villenviertel Lichterfelde im Südwesten Berlins. Zu DDR-Zeiten gerieten einige Bundesbrüder auch ins Blickfeld des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Nach der Wende tauchten in der Gauck-Behörde Dokumente auf, in denen en détail die Aktivitäten der Verbindung beschrieben werden. Auch Besuche einzelner Bundesbrüder in der ehemaligen Ständigen Vertretung in Ost-Berlin wurden vom MfS registriert. Besonders misstrauisch machte das MfS die konsequent ablehnende Haltung Suevias sowie des gesamten CV gegenüber dem SED-Staat. Für die DDR-Staatssicherheit war Suevia ein Ort des „Revanchismus“ und Teil der „bürgerlichen Restauration“ im damaligen West-Berlin.
Nach der Wiedervereinigung anno 1990 ist das „Schwabenhaus“ heute ein fester Treffpunkt nicht nur für katholische Akademiker und Studenten aus dem In- und Ausland geworden.
2005 wurde das 130. Stiftungsfest gefeiert. Suevia führte dreimal den Vorort des Cartellverbandes: 1885/1886, 1895/1896 und 1952/1953.





